Zinsen im Zaun
Die Zeichen am Wirtschaftshimmel stehen für steigende Zinsen. Die Notenbanker beginnen darüber nachzudenken, die Billionen Dollars und Euros an Konjunkturhilfen wieder einzusammeln. Zinsabsicherungen sorgen dafür, dass die Kreditkonditionen nicht in den Himmel wachsen. Derzeit sind die Zins-Caps noch billig zu haben. Von Josef Ruhaltinger
Deckel auf den Topf
Wer an steigende Zinsen glaubt und das aktuell niedrige Niveau auf längere Zeit in seinen Finanzierungen konservieren will, sichert sich einen Zins-Cap: Dieser deckelt den Zinssatz des Darlehens während der Laufzeit (z.B. fünf oder sieben Jahre) bei einer vereinbarten Zinsobergrenze (dem sogenannten Cap). Durch die Zahlung einer einmaligen Prämie fixiert der Unternehmer die Schwelle, die er nicht überschreiten möchte. Sollte der Euribor in diesem Zeitraum über diese Zins-obergrenze steigen, erhält der Kunde für die Zinsdifferenz Ausgleichszahlungen überwiesen. Diese Form der Zinsabsicherung kann sowohl für neue als auch bereits bestehende Kredit- und Leasingverträge verwendet werden, und zwar auch für Finanzierungen, die bei anderen Banken gemacht wurden.
Aktuell übersteigen die Finanzierungskosten plus die Absicherungsprämien nicht das Konditionenniveau des Vorjahres. Die Prämien orientieren sich an der Höhe der Deckelung – je niedriger die Grenze gezogen wird, umso teurer werden die Hedgingkosten. Derzeit gibt es noch preiswerte Prämienangebote. Ein Zins-Cap von maximal 4% erhöht bei einem 10-jährigen Vertrag die Zinsen um rund 0,6%. Gibt man sich mit 5% zufrieden, sinken die Prämien aktuell auf 0,4%. Durch die Aufteilung der Kosten über die gesamte Laufzeit bleibt die Ratenerhöhung überschaubar – genauso wie das Risiko einer nach oben wandernden Zinskurve. Achtung: Wenn von Obergrenzen die Rede ist, sprechen die Banker ausschließlich vom Euribor bzw. von jenem Parameter, der dem variablen Vertrag zugrunde gelegt worden ist. Für die endgültige Berechnung des Unternehmens, welche Konditionen im Worst Case gerade noch verdaulich sind, müssen die Bankaufschläge noch addiert werden.
Die Prämien für einen Zins-Cap müssen in der Regel zum Zeitpunkt des Optionenkaufs auf einmal bezahlt werden. Die Kosten müssen in den Finanzierungsbetrag miteingerechnet werden. In der Vergangenheit waren Zinsabsicherungen nicht unter einem Kreditvolumen von 1,5 Millionen Euro zu haben. Heute funktioniert dies anders. Die Erste Bank beispielsweise hat Optionsscheine in 1.000-Euro-Stückelung für Obergrenzen des 3-Monats-Euribor von 3 und von 4% aufgelegt. Wer einen 50.000-Euro-Kredit absichern will, kauft 50 Retail-Caps. Übersteigt der Euribor am Zinsfestsetzungstag die vertraglich festgelegte Zins-obergrenze, so erhält der Käufer des Optionsscheines die Differenz zwischen Euribor und der Zinsobergrenze. Die Abrechnung erfolgt am Ende der Berechnungsperiode.
Die Praxis ist komplex, die Theorie aber einfach: Wer von niedrigen Zinsen profitieren will, muss sich für bestehende und neue Kredite gegen steigende Zinsen absichern. Dabei muss der Aufwand für die Absicherungsprämien der Wahrscheinlichkeit gegenübergestellt werden, ob und wann die Kosten steigender Zinsen die Hedging-Ausgaben übertreffen. Diese Entscheidung liegt beim Unternehmer.
Für Tante Jolesch wären derartige Bemühungen, die Zukunft zu zähmen, freilich sinnlos. Sie war es gewohnt, die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Für einen Kreditnehmer ist dieser Fatalismus zumindest unpraktisch. Risiken pflegen immer dann schlagend zu werden, wenn sie keiner brauchen kann.




